Wohnkomfort auf solider Grundlage

Fast jeder kennt die Situation: Wird in der eigenen Wohnung mal ein Fest gefeiert, können Nachbarn zu wahren Klopf-Weltmeistern werden. Dort, wo keine Beschwerden kommen, darf sich der Estrichleger auf die Schultern klopfen. Die Arbeit des Estrichlegers dient u. a. dem Schall- und Wärmeschutz. Bei Neubauten sowie bei Altbaurenovierung.

Die Zusammensetzung der Estriche richtet sich nach Anforderung und Einsatzort. Im Wohnungsbau werden in erster Linie Ansprüche an Dämmeigenschaften gestellt. In Werkhallen steht hohe Festigkeit im Vordergrund. Es werden Verbundestriche, schwimmende Estriche oder Estriche auf Trennschichten aufgetragen - je nach geforderter Eigenschaft. Man muss beizumengende Werkstoffe und Mischungsverhältnisse genau kennen, um optimale Ergebnisse zu erzielen, ob im Wohnungsbau oder im gewerblichen Bau.

Estrich ist ein auf einem tragenden Untergrund oder auf einer dazwischen liegenden Trenn- oder Dämmschicht hergestelltes Bauteil, das unmittelbar als Boden nutzfähig ist oder mit einem Belag versehen werden kann. Estrich wird meist vor Ort aus Zement, Gips und anderen Bindemitteln mit verschiedenen Zuschlägen gemischt und ins Gebäude eingebracht. Aufgabe des Estrichs ist, Unebenheiten des Untergrundes auszugleichen und eine begehbare oder zur Aufnahme eines Bodenbelages geeignete Fläche zu bilden. Estriche dienen in Wohn- und Büroräumen außerdem zur Verbesserung des Schallschutzes (Trittschall).



Schwimmender Estrich mit hartem Bodenbelag
1. Innenputz
2. Sockelleiste
3. Putzleiste
4. Randstreifen
5. elastische Fugendichtung
6. Bodenbelag (Hartbelag)
7. Estrich
8. Abdeckung
9. Trittschalldämmung
10. Trenn- und Ausgleichsschicht
11. Stahlbetondecke

Der Estrich wird auf die Rohdecke aufgebracht. Er ist entweder selbst als Fußboden nutzbar oder wird mit einem Gehbelag versehen. Bei nicht unterkellerten Räumen ist eine Abdichtung gegen aufsteigende Bau- oder Bodenfeuchtigkeit erforderlich, bei Decken über Feuchträumen eine Dampfsperre.

Nassestriche werden auf der Baustelle hergestellt als schwimmender Estrich, Estrich auf Trennschicht oder Verbundestrich und nach ihrem Bindemittel bezeichnet als: Zementestrich, Anhydritestrich, Magnesiaestrich, Gussasphaltestrich. Fließestriche sind selbstnivellierend und bilden eine ebene, glatte Oberfläche. Heizestriche werden bei Fußbodenheizungen eingesetzt. Trockenestrich besteht aus vorgefertigten Platten, die auch auf alten, abgenutzten Bodenbelägen oder auf Lagerhölzern verlegt werden. Wärme oder Schall dämmende Zwischenschichten (z.B. Dämm- oder Ausgleichschüttungen) oder an die Platten werkseitig angearbeitete Dämmplatten verbessern den Trittschallschutz und den Wärmeschutz.

Relevante Normen

EN 13318 "Estrichmörtel, Estrichmassen und Estrich - Definitionen"
DIN 18560 "Estrich für das Bauwesen"


Interessante Links:

BaunetZ - Das Online-Lexikon rund um den Fußboden.
WikipediA - Die freie Enzyklopädie


Estrich auf Trennschicht
Zwischen Rohdecke und Estrich wird eine Trennschicht aus Kunststofffolie oder Bitumenpappe verlegt.

Verbundestrich
wird unmittelbar auf die Rohdecke aufgebracht und in homogenem Verbund (frisch in frisch) mit dem Unterboden hergestellt. Er wird mit einem Nutzbelag versehen oder kann selbst als Nutzschicht dienen.

Zementestrich
aus Zement, Sand oder Kiessand und Wasser, als Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht oder schwimmender Estrich. Güte nach Beanspruchung, ggf. mit Bewehrung (z.B. Baustahlmatte).

Anhydritestrich
aus Anhydritbinder, Sand und Wasser als Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht oder schwimmender Estrich, ggf. mit besonderer Versiegelung.

Gipsestrich
aus ungemagertem oder gemagertem Estrichgips, Sand und Wasser als Estrich auf Trennschicht, schwimmender Estrich, ggf. mit besonderer Behandlung durch Farbzugaben oder Versiegelung.

Magnesiaestrich
Steinholzestrich, aus akustischem Magnesia und Magnesiumchloridlösung mit organischen Füllstoffen wie Sägemehl, Sägespäne, Papiermehl, Korkmehl, Korkschrot oder Gummifasern oder mineralischen Füllstoffen wie Quarzmehl, Quarzsand, Talkum, Glimmer- oder Bimsmehl, als Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht oder schwimmender Estrich, ggf. mit anschließender Versiegelung als Estrich mit nutzbarer Oberfläche.

Gussasphaltestrich
hohlraumfreie und dichte Masse aus Füller (Steinmehl), Sand, Splitt und ggf. Kies sowie dem Bindemittel Bitumen. Das Gemisch ist in heißem Zustand gieß- und streichbar und bedarf beim Einbau keiner Verdichtung. Geeignet als Unterboden mit oder ohne Wärmedämmschicht für normalen Bodenbelag und zur Sanierung alter Böden, insbesondere auch alter Holzfußböden.

Trockenestrich
Trockenestrichplatten Platten aus ggf. mehreren Lagen Holzfaser-, Holzspan-, Gipskarton-, Gipsfaser- oder Mineralstoffbauplatten, meist mit Nut- und Federkanten oder mit umlaufendem Stufenfalz, geeignet als trockene Unterbodenkonstruktion anstelle eines Nassestrichs, zur Verbesserung des Wärme- und Schallschutzes auch als Verbundelemente mit Hartschaum- oder Mineralfaserschichten.

Ausgleichschüttungen
Ausgleichsschüttung auf altem Dielenboden

1. Bodenbelag
2. Trockenestrich mit Dämmschicht
3. Ausgleichsschüttung
4. alter Dielenboden

aus körnigen Schüttgütern, z.B. Sand, Blähton, Bims, Perlite, zum Ausgleich von Bodenunebenheiten oder Höhenunterschieden, insbesondere bei Fußbodensanierungen.

Trittschalldämmung
Maßnahmen, die eine Schallübertragung möglichst unterbinden soll, insbesondere den Körperschall, der sich durch die Bauteile fortsetzt. Das erreicht man dadurch, daß die eigentliche, begangene Fläche nicht direkt mit dem Baukörper verbunden, sondern durch speziell dafür vorgesehenes Dämmaterial vom tragenden Untergrund (Betondecke, Balkenlage) getrennt wird.

Dampfsperre
Diffusionsdichte Schicht, z. B. Metallfolien, zum Schutz von Bauteilen gegen eindringenden Wasserdampf. Die Dampfsperre verhindert das Eindringen von Wasserdampf in Materialien, die gegen Feuchtigkeit anfällig sind (Verrottung) oder deren Funktion bei Durchfeuchtung herabgesetzt ist. Die Dampfsperre wird bei der Innendämmung von Außenwänden oder Dächern auf der dem Raum zugewandten Seite angebracht. Nur so kann sie das Eindringen des im warmen Hausinneren entstehenden Wasserdampfes in die Dämmung unterbinden.

Schwimmender Estrich
besteht aus einer lastverteilenden Estrichplatte von mind. 35 mm Dicke, die auf einer weichfedernden Dämmschicht von mind. 10 mm Dicke aufgelegt ist. Die Konstruktion verbessert die Tritt- und Luftschalldämmung der Geschossdecke. Bei der Ausführung ist sorgfältig darauf zu achten, dass Schallbrücken zwischen Estrich und Rohdecke, zwischen Estrich und umlaufenden Wänden und an Rohrdurchführungen vermieden werden. Spezielle Dämmstreifen trennen den Estrich von den mit der Rohdecke verbundenen Bauteilen.